Willkommen im urban zoo
Donnerstag, 21. Januar 2010
Pauschalurlaub: Svenja aus Cottbus hat Haarewaschtag
woman of vision | 21. Januar 10
Begegnungen im Pauschalurlaub

Unser erster Pauschalurlaub ging für 750 Euro nach Cuba, in ein ranziges 2 Sterne-Hotel. Keine Scheiben in den Türen, undefinierbares Essen und gruselige Gestalten, ob Personal oder Gast schlichen über die Flure. Während es seit einer Woche in Strömen regnete und die Lobby unser tägliches Ausflugsziel war, lernten wir Bernd und Svenja, beide Mitte 30 aus Cottbus, kennen. Bernd und Svenja kannten diese Art von Urlaub aus der Dominikanischen Republik und aus Marokko – das reichte aus, die beiden als „nicht-gewünschte-Gesprächspartner“ zu betiteln. Während wir die beiden an ihrem 5. Urlaubstag an der Bar zufällig trafen und uns durch ein peinliches Smalltalk-Gewirr über „diese Kubaner“ kämpften, verstummten plötzlich die Worte meines sonst so redegewandten Freundes. Aber auf die Frage, wie die Dusche und das Wasser denn hier sei, konnten wir nicht antworten. Also hakte Bernd nach: „ Döh Svenja hat heute Haarewaschtach, habt ihr hier schon mal jeduscht hier jetze?“ – Um nicht mit einem „JAAA du Miefel, wir haben in den letzten 5 Tagen nach unserem 16 Stunden Flug schon mal die Haare gewaschen, du Stinker“ lenkten wir das Gespräch peinlich berührt um, wären am liebsten in den Regen zum Spazieren rausgegangen, Hauptsache weg von den Gestalten mit Crocs, Gürteltasche und Ed-Hardy-T-Shirts. Thematisch blieben wir aber bei der Unterhaltung im Bad:“ Ja, im Waschbecken hatten wir neulich braunes Wasser.“ –Bernd lachte lauthals:“Boaa, das erinnert mich an Marokko, ey. Da hab ick so nen Torpedo ins Klo gelegt, da ging gar nix mehr mit der Spülung. HAAAAA HHAAAAA HAAA!“ Während sich das Lachen des 100-Kilo-Mannes in jedes karibische Eckchen zog, bekam ich einen starken Anfall von Sprachlosigkeit, gemischt mit einem angewiderten Gefühl und war froh, dass dies bisher mein einziger und letzter Pauschalurlaub sein wird.

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Samstag, 16. Januar 2010
Neulich im Hotel in Berlin…
woman of vision | 16. Januar 10
Während wir uns nach langer Fahrt über den Alex Richtung Friedrichshain durchgekämpft (für uns Kleinstädter war es eine wahre Totour) hatten, erwartete uns ein optisch recht passables 4-Sterne-Hotel. „Treffpunkt für Businesspeople und Kulturinteressierte“, so die Reisebeschreibung. Durchaus war der Aufenthalt eine kulturelle (Grenz-)erfahrung. Willkommen im urban zoo! Eine junge, proppere und eher wenig grazile Dame, vermutlich die Auszubildende, nahm uns in Empfang. Eine Stimme begrüßte uns, die oberhalb der realen Freundlichkeit lag, ein Mund öffnete sich breit, irgendwo zwischen Lächeln und Drohgebärde, während die Augen angestrengt durch das Hotel auf unsere Rücksäcke wanderte, die wir dann bis zum Check-In im Gepäckraum abstellen „durften“. Wenige Stunden später, erwiderte ein Hotelangestellter auf unsere Frage nach unserem Gepäck, wo unser Zettel sei, der uns als Gegenwert zum Gepäck gegeben wurden sei, vom dem wir aber zum ersten Mal hörten. Just in diesem Moment, ertönte aus dem Hinterzimmer ein schrilles, fast schon an den mahnenden Ton der alten Mathelehrerin erinnernd, „Den hab ich Ihnen aber gegeeeeeeben“ Verwundert, mit großen Augen starrten mein Partner und ich uns an, als wir fordernd gemustert wurden, warum wir unseren Zettel nicht dabei hätten. Unentschlossenheit bei der Auzubildenden (ab jetzt heißt sich auch nur noch die „Doofe) ließ sich nicht verbergen: Zweifelnd, ob sie nun DEN Coup gelandet hat und zwei Schwerkriminelle beim Zettelbetrug entlarvt hat oder ob sie doch einfach nur zwei freche Scharlatane vor sich hatte, sah uns die Auszubildende böse an, gar grummelig und hasserfüllt. Die Augen blitzten wütend, wortlos erklärte sie sich doch bereit aus dem Hinterzimmer unsere Rucksäcke zu holen, von denen Sie anscheinend noch ganz genau wusste, dass sie unsere waren, vermutlich waren es die einzigen Gepäckstücke, die abgegeben wurden. Mit funkelnden kalten Augen und schriller Stimme bekamen wir noch ein diesmal grundschulmäßiges: „Das nächste Mal heben Sie den Zettel aber besser auf!“ Und die Moral der Geschicht: Doofheit mag der Hotelgast nicht!

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Interkulturell bei „Pans“ in Barcelona…
woman of vision | 16. Januar 10
Las Ramblas, Sagrada Familia und Gaudi Park… nett! Wirklich unterhaltsam war allerdings der Moment als ich draußen in einem Fastfood-Restaurant in einer belebten Einkaufsstraße saß und darauf wartete, dass mein Freund aus dem Laden kam. Als mich ein polnisches Ehepaar mit brüchigem Englisch fragte, ob die Kamera neben mir am Tisch meine sei und ich erschrocken aus meiner Siesta erwachte und nur verneinte, kam eine junge Bedienung auf die Terrasse geeilt: Bemüht und besorgt um die teure Kamera, nahm er sie an sich, bis…. Bis plötzlich mit einem Tablett voll Pommes mit Baguette ein asiatischer Tourist aus dem Restaurant kam und versuchte zu erklären, dass dies seine Kamera war. Verwundert guckten ihn das Ehepaar, die Bedienung und ich an und staunten über seine Empörung: „Don’t take my camera. I just want to reserve my place.“

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Dienstag, 12. Januar 2010
Neulich in der Buchhandlung…
woman of vision | 12. Januar 10
Während ich auf den Ulli-Stein-Kalender guckte, mich fragte, ob es wirklich jemanden gibt, der diesen Humor teilt, gab ich der Kassiererin in der Buchhandlung den Kalender zurück, den ich vor einigen Tagen gekauft hatte. „Ich würde den gern umtauschen!“ –„Gern, haben sie etwas anderes gefunden?“ fragte mich die etwa 40jährige Verkäuferin, die mir mit ihrem lichten Haar und knallrotem 80ies Sweatshirt selbstbewusst und fordernd in die Augen schaute, als ob sie genau wüsste, dass ich eigentlich nur das Geld zurück haben will. „Nein, ich hab nichts gefunden.“ Sagte ich freundlich. – „Gut, möchten Sie einen Gutschein?“ – „Nein, du doofe Kuh, ich möchte nur den langweiligen unwitzigen Witze-Kalender zurückgeben und die 11,95 Euro haben.“ Während ich meine gemeinen Gedanken versuchte in eine gesellschaftsfähige Frage zu übersetzen, merke ich die unangenehme Stille die das freundliche Kunden-Verkäufer-Verhältnis störte. Es ging nicht weiter. Sie starrte mich an. Entsetzen! Ihre Ader oberhalb des Kragens des roten Woll-Zeltes begann zu pochen. Plötzlich, gefühlte 5 Minuten später, ich merkte schon die genervten Blicke der Kunden hinter mit in der Schlange, überschlug sich ihre Stimme:“Was möchten Sie DANN?“ Ich hatte das Gefühl, die Dame platzt. Wütend schaute sie mich an und versuchte dabei freundlich zu bleiben.
„Kann ich auch das Geld zurück bekommen?“ – Mit erschrockenem Blick und scharfer Zunge erwiderte die Buchhändlerin: „Das müssen Sie MIR schon sagen, ich kann das nicht wissen, was sie wollen.“ Beleidigt zahlte sie mein Geld aus und bat mich um eine Unterschrift.

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