woman of vision | 16. Januar 10
Während wir uns nach langer Fahrt über den Alex Richtung Friedrichshain durchgekämpft (für uns Kleinstädter war es eine wahre Totour) hatten, erwartete uns ein optisch recht passables 4-Sterne-Hotel. „Treffpunkt für Businesspeople und Kulturinteressierte“, so die Reisebeschreibung. Durchaus war der Aufenthalt eine kulturelle (Grenz-)erfahrung. Willkommen im urban zoo! Eine junge, proppere und eher wenig grazile Dame, vermutlich die Auszubildende, nahm uns in Empfang. Eine Stimme begrüßte uns, die oberhalb der realen Freundlichkeit lag, ein Mund öffnete sich breit, irgendwo zwischen Lächeln und Drohgebärde, während die Augen angestrengt durch das Hotel auf unsere Rücksäcke wanderte, die wir dann bis zum Check-In im Gepäckraum abstellen „durften“. Wenige Stunden später, erwiderte ein Hotelangestellter auf unsere Frage nach unserem Gepäck, wo unser Zettel sei, der uns als Gegenwert zum Gepäck gegeben wurden sei, vom dem wir aber zum ersten Mal hörten. Just in diesem Moment, ertönte aus dem Hinterzimmer ein schrilles, fast schon an den mahnenden Ton der alten Mathelehrerin erinnernd, „Den hab ich Ihnen aber gegeeeeeeben“ Verwundert, mit großen Augen starrten mein Partner und ich uns an, als wir fordernd gemustert wurden, warum wir unseren Zettel nicht dabei hätten. Unentschlossenheit bei der Auzubildenden (ab jetzt heißt sich auch nur noch die „Doofe) ließ sich nicht verbergen: Zweifelnd, ob sie nun DEN Coup gelandet hat und zwei Schwerkriminelle beim Zettelbetrug entlarvt hat oder ob sie doch einfach nur zwei freche Scharlatane vor sich hatte, sah uns die Auszubildende böse an, gar grummelig und hasserfüllt. Die Augen blitzten wütend, wortlos erklärte sie sich doch bereit aus dem Hinterzimmer unsere Rucksäcke zu holen, von denen Sie anscheinend noch ganz genau wusste, dass sie unsere waren, vermutlich waren es die einzigen Gepäckstücke, die abgegeben wurden. Mit funkelnden kalten Augen und schriller Stimme bekamen wir noch ein diesmal grundschulmäßiges: „Das nächste Mal heben Sie den Zettel aber besser auf!“ Und die Moral der Geschicht: Doofheit mag der Hotelgast nicht!